SOMMERTHEATER Graz: Der zerbrochene Krug

Gemeinsam mit Künstler*innen der Theaterakademie LebensGroß erwecken Schauspielstudierende der Kunstuniversität Graz in der Regie von Werner Strenger Heinrich von Kleists gesellschaftskritisches Lustspiel zum Leben. Spielort: der Grazer Färberplatz. Zu sehen: Richter, die selbst der Täter sind. Ein Verfahren, das sich gegen sich selbst richtet. Ein Lust-Spiel, das es in sich hat.

Premiere: 2. Juli 2026
Weitere Vorstellungen: 3., 6., 7, 8. Juli 2026
wetterbedingter Ausweichtermin: 9. Juli 2026
jeweils 18:00 Uhr
Färberplatz, Graz

Dorfrichter Adam hat ein Problem: Er muss heute Gericht halten – über einen Fall, den er selbst verbrochen hat. In der Gerichtsstube des fiktiven niederländischen Dorfes Huisum versucht er, eine Verhandlung zu leiten, zu sabotieren, zu verschleppen und zu vertuschen – gleichzeitig. Was als dörfliche Eigentumsaffäre um einen zerbrochenen Krug beginnt, entfaltet sich zu einem präzisen Röntgenbild von Machtmissbrauch, Sprachmanipulation, (institutioneller) Selbstlüge und der Schwierigkeit aller, die Wahrheit präzise zu erfassen und das eigene Versagen wahrzunehmen. Kleist betrachtet unsere Abgründe mit Komik und schafft damit abgründige Komik.

Die Inszenierung

Die Inszenierung der Kunstuniversität Graz zeigt Kleists Richter Adam als dreifache Figur – gespalten in sich widersprechende Stimmen, Haltungen und Impulse. Korruption ist kein individueller Makel, sondern ein Systemmerkmal – Selbstgerechtigkeit ein Menschheitsphänomen. Wer kennt die Wahrheit? Wie lässt sie sich fassen? Gehört irgendwer und irgendwas irgendwem? Das Verfahren richtet sich selbst. Zwei Personen mit eigenem Blick stellen die entscheidenden Fragen. Und schließlich fragen wir uns: was ist mit der Liebe?

Gespielt wird draußen, an einem langen Tisch auf dem Färberplatz: Das Publikum sitzt auf beiden Seiten, mittendrin. Acht Schauspiel-Studierende der KUG spielen gemeinsam mit zwei Schauspieler*innen der Theaterakademie von LebensGroß – einer Einrichtung, die professionelle Theaterausbildung für Menschen mit Beeinträchtigung anbietet. Live-Perkussion von Liyun Long begleitet die Aufführung.

 

Die Entstehungsgeschichte

Der zerbrochene Krug entstand aus einem Freundschaftswettstreit: 1802 saß der 25-jährige Heinrich von Kleist mit zwei Dichterfreunden in der Schweiz vor einem Kupferstich – ein Richter, eine alte Frau mit zerbrochenem Krug, ein junges Paar. Die drei beschlossen, jeder solle aufschreiben, was er in dem Bild sieht. Kleist schrieb ein Lustspiel, das er mit 29 Jahren fertigstellte und das heute als eine der bedeutendsten Komödien der deutschen Sprache gilt.

Die Uraufführung 1808 in Weimar wurde zum Skandal – und der Hauptschuldige hatte einen berühmten Namen: Johann Wolfgang von Goethe. Ausgerechnet der mächtigste Dichter des deutschen Sprachraums zerlegte Kleists Einakter in drei Akte, strich und strukturierte nach eigenem Gutdünken um. Das Publikum pfiff. Kleist war entsetzt. Die beiden haben sich danach nie mehr gemocht – ein Riss, der nie heilte. 1811 erschien das Stück endlich im Druck, so wie Kleist es geschrieben hatte. Im selben Jahr erschoss sich Kleist am Wannsee. Er war 34 Jahre alt und hat den Ruhm seines Werkes nie erlebt.

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